Werner Bischof wurde im April 1916 in Zürich geboren. Seiner Neigung zur Malerei folgend, besuchte er ein Jahr lang einen Zeichenkurs in Schiers. Unzufrieden damit, belegte er 1934 den von Hans Finsler geleiteten Fotografiekurs an der Kunstgewerbeschule Zürich. Nachdem er sich auf Stillleben spezialisiert und 1936 das Diplom erworben hatte, eröffnete er ein Atelier für Fotografie und Grafik für Plakate und Zeitschriften; zwei Jahre später wurde er von den Verlegern Amstutz & Herdeg angestellt. Anlässlich der Schweizerischen Landesausstellung von 1939 entwarf er die Gestaltung des Pavillons der grafischen Künste und wirkte an der Realisierung des Modepavillons mit. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs trat er nach einem kurzen Aufenthalt in Paris in die Schweizer Armee ein und arbeitete auch als Kriegsreporter. Diese Erfahrung ermöglichte ihm, den Abstand zwischen der sorgfältig geplanten Studiofotografie und der rasch ausgeführten, in ihren Dynamiken unvorhersehbaren Fotoreportage einzuschätzen. Er entschied sich für Letztere, wegen des menschlichen Kontakts und der Möglichkeit einer ständigen Auseinandersetzung mit der Gegenwart, ohne jedoch auf die technische Vollkommenheit zu verzichten, die er während seiner Ausbildung erworben hatte. Inzwischen lernte er Arnold Kübler kennen, Schriftsteller, Theatermann und Chefredaktor der Kunst- und Kulturzeitschrift Du; mit ihm begründete er zwischen 1941 und 1942 eine dauerhafte Zusammenarbeit. Gleichzeitig verkehrte er in den Kreisen der Zürcher künstlerischen Avantgarden und schloss sich der surrealistischen Bewegung Allianz an.
Ab 1945 arbeitete er mit den wichtigsten internationalen Zeitschriften zusammen, für die er bedeutende Reportagen im vom Krieg gezeichneten Europa realisierte, darunter eine über die in der Schweiz internierten Italiener. 1946 durchquerte er Italien und hielt auf Film die Verwüstungen und das Unbehagen fest, die durch Jahre der Feindseligkeiten entstanden waren: insbesondere den Protest der Mailänder gegen die Abtrennung Triests von Italien, die Überlebenden der nationalsozialistischen Vernichtungslager in Trentino-Südtirol, die Waisenheime in der Emilia-Romagna und die Ruinen der Abtei Montecassino. In Rimini lernte er seine spätere Frau Rossellina Mandel kennen. 1948 fotografierte er für Life die Olympischen Spiele von St. Moritz, und im folgenden Jahr wurde er Mitglied von Magnum Photos. Er reiste weiter durch Nord- und Osteuropa und kehrte 1950 nach Italien zurück, wo er einige Beiträge in Epoca veröffentlichte. Bei dieser Gelegenheit machte er auch etwa fünfzehn Aufnahmen in Sardinien und dokumentierte die Härte und Rückständigkeit der Arbeitsbedingungen im Campidano von Cagliari und im Iglesiente.
1954 reiste er im Auftrag von Magnum nach Panama, Chile und Peru, wo er im Alter von achtunddreißig Jahren bei einem Autounfall in der Andenkordillere ums Leben kam.
Literaturverzeichnis
Sguardi forestieri. I grandi fotografi in Sardegna: Henry Cartier-Bresson, Bruno Barbey, Werner Bischof. Nuoro, Imago, 2008.
Werner Bischof in Sardegna, 1950. Nuoro, Imago-MAN, 2012.
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Jahr : 1991
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